Vergleichsportale für Strom und Gas: Bei steigenden Preisen den Durchblick behalten (2022)

Sorgen wegen der Preissteigerungen

Viele Kundinnen und Kunden sorgen sich, weil die Strom- und Gaspreise rasant steigen. Viele Haushalte haben schon eine Preis­erhöhung für Strom oder Gas erhalten.

Unser Test von acht Vergleichs­portalen zeigt, dass sie für einen Preis­vergleich erste Wahl sind. Denn nur bei den Portalen finden Haushalte verläss­lich aktuelle Preise und Tarifbedingungen. Wer also Wert auf den güns­tigsten Preis legt, oder nach einer Preis­erhöhung einfach nach­schauen möchte, ob es güns­tigere Tarife für sein Post­leitzahlen­gebiet gibt, ist hier richtig.

Unser Rat

Geeignet für... Sie sollten Vergleichs­portale nur verwenden, wenn Sie entweder gerade eine Preis­erhöhung erhalten haben und prüfen wollen, ob es am Markt ein güns­tigeres Angebot gibt, oder wenn Sie jähr­lich den Strom- oder Gasversorger wechseln, um die maximal Ersparnis raus­zuholen. Wollen Sie sich nicht regel­mäßig selbst kümmern, beauftragen Sie einen Wechsel­service – auch Wechsel­dienst genannt. Er optimiert jähr­lich Ihren Vertrag. Wie Sie mit solchen Wechsel­diensten viel Geld sparen, zeigt unser Wechselservice-Test für Strom und Gas.

Testsieger. Kein Vergleichs­rechner erfüllt alle Unter­suchungs­kriterien. Check24 und Verivox haben mit der Gesamt­note Befriedigend am besten abge­schnitten. Beim Prüf­punkt „Vor­einstel­lungen“ haben fünf Portale mindestens ein Gut erhalten. Diese ­Rechner haben die Filter verbraucherfreundlich voreinge­stellt.

Tarif­suche. Wie Sie die Vergleichs­portale am besten nutzen, lesen Sie in unserer Anleitung In vier Schritten zum Vertrag. Kein Rechner erfüllt alle unsere Unter­suchungs­kriterien. Nutzen Sie deswegen zwei oder drei Rechner und vergleichen Sie die Ergeb­nisse.

Monatlicher Abschlag. Verwechseln Sie den monatlichen Abschlag nicht mit dem Durch­schnitts­preis pro Monat. Weil die Boni hier bereits einge­rechnet sind, ist er nied­riger als der monatliche Abschlag. Nur Strom­vergleich stellt den voraus­sicht­lichen monatlichen Abschlag oben in der Ergeb­nisliste dar. Verivox nennt ihn gar nicht und bei Check24 finden Sie ihn nur, wenn Sie ein kleines graues Info­zeichen bei der Preis­anzeige ankli­cken.

Aktuelles. Weitere Informationen zum Anbieter­wechsel finden Sie in unseren Specials Stromanbieter wechseln und Gasanbieter wechseln. Wer sich über eine drastische Preis­erhöhung geärgert hat, oder vom Liefer­stopp von Gas.de, Stromio oder Grün­welt betroffen ist, findet in unserem kosten­pflichtigen Special Energiekrise dazu Tipps.

Wie verbraucherfreundlich die Portale sind

Doch wie verbraucherfreundlich sind Vergleichs­rechner? Bieten sie alle wichtigen Suchfilter? Stellen sie ihre Ergeb­nisse trans­parent genug dar? Um das heraus­zufinden, haben wir uns zunächst 46 Vergleichs­portale für Strom- und Gast­arife genauer angesehen. Die meisten sind Part­nerseiten der Markt­führer Check24 oder Verivox und haben ­deren Rechner auf ihren Internet­seiten implementiert. Acht Portale kamen in unseren Test (So haben wir getestet).

Unser Fazit: Es mangelt vor allem an wichtigen Tarif­informationen und Trans­parenz. Auch viele Daten­schutz­erklärungen hatten Defizite. Das beste Qualitäts­urteil war ein Befriedigend für Verivox und Check24.

Testecho: So haben die Vergleichs­portale reagiert

Wegen der Bedeutung der ­Portale in der aktuellen Markt­situation haben wir Ende Dezember 2021 nachgesehen, ob sie auf unseren Test reagiert und ihre Rechner umge­baut haben. Voll­umfäng­lich wieder­holt haben wir den Test aber nicht. Fünf Portale haben ihren Tarif­rechner geändert oder die Daten­schutz­erklärung über­arbeitet.

Strom­auskunft. Eine wichtige Änderung nahm das ­Portal Strom­auskunft.de vor: Es hat nun einen Filter für nach­haltigen Ökostrom oder Ökogas und definiert klar, was diese Tarife auszeichnet.

Check24. Bei Check24 finden Kunden im Filtermenü unter „individuell“ jetzt „Tarife mit Wechsel­möglich­keit“. Wer hier „Nein“ anklickt, sieht einen größeren Ausschnitt des Marktes, weil auch Tarife ange­zeigt werden, bei denen Check24 keine Provision verdient. Diese Tarife sind nur direkt beim Anbieter abschließ­bar. Finanztip und das Energieverbraucherportal zeigen solche Tarife ohne Zusatz­filter in ihrer Ergeb­nisliste.

Verivox. Verivox hat einen neuen Filter. Wer „nur Sofortbonus“ anklickt, sieht Tarife, bei denen der Neukundenbonus nicht in den Endpreis einberechnet wird. Denn dieser wird erst nach mehr als einem Jahr in der Schluss­rechnung gutgeschrieben. Der Sofortbonus fließt dagegen oft schon acht Wochen nach Liefer­beginn. Aktuell gibt es zwar kaum noch Tarife mit hohen Boni. Dieser ­Filter dürfte aber wieder wichtig werden, wenn sich der Markt stabilisiert.

Daten­schutz­erklärung. Vier Portale haben ihre Daten­schutz­erklärung über­arbeitet, aber nur bei Finanztip hat sie sich deutlich verbessert.

Drei weitere Kritik­punkte

Weitere Kritik­punkte in unserem Test sind:

  • „Null-Platzierung“: Über dem güns­tigsten Tarif steht bei Verivox, Preis­vergleich und Check24 die sogenannte „Null-Platzierung“. Das sind vom Rechner empfohlene oder ­beworbene Tarife, die meist teurer sind als der Erst­platzierte.
  • Filter: Bei fast allen Portalen sind die Filter nicht auf einen Blick sicht­bar, sondern nur, wenn man Klicks setzt. Bei einigen Portalen fehlen außerdem wichtige Filter.
  • Umgang mit Kunden­daten: Wir erwarten von einem guten Vergleichs­portal, dass es keine Mängel in der Daten­schutz­erklärung gibt. Es fehlten aber beispiels­weise Angaben zur Speicherdauer personenbezogener Daten, oder die Angaben zur Verarbeitung der Kunden­daten waren nicht ausreichend.

Vergleichs­portale sind nicht neutral

Bis auf das Energieverbraucherportal, das nur informiert, erhalten Vergleichs­rechner pro vermitteltem Vertrag eine Provision vom Energieversorger. Deshalb erscheinen nach Eingabe von Post­leitzahl und Verbrauch bei fast allen Portalen zunächst nur Angebote, bei deren Vermitt­lung eine Provision fließt.

Mindestens fünf Portale mit „guten“ Voreinstel­lungen

Außerdem haben die Portale weitere Filter voreinge­stellt. Sie sorgen dafür, dass nur ­Tarife mit bestimmten Bedingungen wie eine maximale Lauf­zeit oder eine Preis­garantie ange­zeigt werden. Diese Einstel­lungen haben wir auf ihre Verbraucherfreundlich­keit geprüft. Vier Portale schnitten bei „Voreinstel­lungen“ immerhin gut ab, Finanztip sogar sehr gut.

Mindestens die folgenden fünf Tarifkriterien waren hier voreinge­stellt:

  1. eine zwölfmonatige Vertrags­lauf­zeit,
  2. der Ausschluss von Paket­tarifen,
  3. eine sechs­wöchige Kündigungs­frist,
  4. eine Preis­garantie, die mindestens so lang ist wie die Erst­vertrags­lauf­zeit und
  5. eine Deckelung des Neukundenbonus auf höchs­tens 15 Prozent.

Durch­schnitt­licher Monats­preis kann verwirren

Wer einen güns­tigen Tarif sucht, möchte wissen, wie hoch sein monatlicher Abschlag voraus­sicht­lich sein wird. Doch das zeigt Verivox über­haupt nicht und Check24 erst, nachdem man ein weiteres Fenster öffnet. Beide sortieren die Ergeb­nisliste nach dem monatlichen Durch­schnitts­preis. Das ist der Preis minus aller Neukundenboni. Diese werden jedoch oft erst am Ende der Erst­vertrags­lauf­zeit in der Jahres­rechnung berück­sichtigt. Den monatlichen Zahl­betrag senken sie nicht.

Beispiel: Differenz von 30 Euro monatlich

Wie groß die Differenz zwischen monat­lichem Durch­schnitts­preis und monatlichem Abschlag sein kann, zeigt dieses Beispiel: Ein Berliner Haushalt mit einem jähr­lichen Strom­verbrauch von 3500 Kilowatt­stunden sieht am 19. Oktober 2021 bei Verivox einen Tarif mit einem „Durch­schnitts­preis pro Monat“ von 101 Euro. Der voraus­sicht­liche monatliche Abschlag beträgt aber 131 Euro.

Nur wer sich bei Verivox die Mühe macht, den Gesamt­preis ohne Bonus durch zwölf zu teilen, erfährt, wie viel er voraus­sicht­lich monatlich zahlen wird. Check24 nennt immerhin den monatlichen Abschlag, sofern der Kunde ein kleines graues Info­zeichen anklickt. Für diese Darstellung gab es keine volle Punkt­zahl.

Trans­parenter wäre es, den voraus­sicht­lichen monatlichen Abschlag prominent in der Ergeb­nisliste auszuweisen. Dieses Problem war vor allem im Unter­suchungs­zeitraum relevant. Derzeit sind Tarife mit Bonus seltener und es gibt nur noch selten eine Abweichung zwischen monatlichem Durch­schnitts­preis und dem voraus­sicht­lichen Abschlag pro Monat.

Individuelle Ersparnis ermitteln

Bei Check24 und Finanztip können Kunden ihre individuelle Ersparnis ermitteln, indem sie ihren ­aktuellen Preis dort eingeben. Finanztip fragt dies gleich bei der Einstiegs­suche ab. Check24 versteckt diese wichtige Funk­tion ein wenig. Kundinnen und Kunden müssen bei Check24, nachdem sie die Suche gestartet haben, den blauen Stift oben über den Sucher­gebnissen ankli­cken. Dann geht ein Fenster auf, in das sie ihren individuellen Preis eingeben können. Diese Funk­tion bei Finanztip oder Check24 eignet sich gut, um bei einer Preis­erhöhung zu prüfen, ob es güns­tigere Tarife gibt.

Preis­niveau nicht bewertet

Die Stiftung Warentest bewertet nicht das Preis­niveau eines Portals. Denn auch Tarifbedingungen und Service spielen eine Rolle. Einige Portale listen etwa bestimmte güns­tige Strom- und Gaslieferanten (Discounter) nicht, die durch kundenunfreundliches Verhalten aufgefallen sind. Daher kann ihr Preis­niveau etwas höher sein.Finanztip wirbt etwa mit dem Ausschluss von Problemanbietern. Strom­auskunft verspricht mit der Voreinstellung „Deutsch­lands beste Strom­anbieter“ sogar, „ausschließ­lich faire, seriöse und sichere Strom­anbieter“ zu empfehlen.

Mit einem Klick zum besseren Markt­über­blick

Sechs Portale bieten gleich in der Stan­dard­ergeb­nisliste oder mit einem Klick einen besseren Markt­über­blick mit Tarifen, die sie zwar darstellen, die aber nicht über sie abschließ­bar sind. Oft sind diese güns­tiger als der erste Tarif, den das Portal vermittelt.

Beispiel: Wer bei Verivox den Strom­tarif­vergleich für die Kölner Post­leitzahl 50667 startet und einen Verbrauch von 3500 Kilowatt­stunden eingibt, sieht auf Platz eins den Tarif „Jes Strom 12“ von der Jes AG. Er kostet 1105 Euro. Der Tarif hat keine Boni (Stand 25. Oktober 2021). Ändert man die voreinge­stellten Filter und klickt das Häkchen „direkte Wechsel­möglich­keit“ weg, sieht man sieben Tarife, die güns­tiger sind. In der Ergeb­nisliste haben sie nur den hellen Button „Info“. Die Differenz zwischen Platz eins und „Jes Strom 12“ liegt bei rund 60 Euro. Die Angaben für ­diese Tarife sind bei den Portalen allerdings nicht immer tages­aktuell.

Tarif online beim Versorger abschließen

Diese Tarife sind nur auf der Internetseite des Versorgers abschließ­bar. Wer sich für einen solchen Tarif entscheidet, sollte vor Vertrags­abschluss den Grund­preis und den Kilowatt­stunden­preis, der im Portal ange­zeigt wird, mit den Preisen auf der Internetseite vergleichen.

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Author: Jerrold Considine

Last Updated: 10/16/2022

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