Glasfaser-Internet: Für wen sich das lohnt (2022)

Wenn die Videokonferenz stottert oder die Netflix-Serie hängt, bereut vielleicht so mancher, nicht auf Glasfaser-Internet umgestiegen zu sein – als es die Möglichkeit dazu gab. Nämlich als die Mitarbeiter von Deutsche Glasfaser oder anderen Anbietern im Ort waren und Unterschriften eingesammelt haben. Mindestens 40% der Bewohner müssen sich in der Regel für Glasfaser entscheiden. Erst dann rücken die Bagger an und Techniker verlegen die Kabel bis ins Haus.

Der Glasfaserausbau in Deutschland ist auch heute noch in vollem Gange. Erst 4,1% der Breitbandanschlüsse waren Ende 2019 mit Glasfaser ausgestattet. Auch Du stehst möglicherweise irgendwann vor der Entscheidung:Lasse ich mein Haus oder meine Wohnung ans Glasfasernetz anschließen oder nicht?

Wir beleuchten im Artikel die Vor- und Nachteile und schauen uns die Kosten an. Damit Du die bestmögliche Entscheidung treffen kannst – egal, ob als Mieter oder Eigenheimbesitzer. Weiter unten findest Du auch eine Übersicht, welche Anbieter in welchen Regionen den Ausbau übernehmen.

Was ist Glasfaser – und warum ist es besser DSL?

Glasfaserkabel übertragen Daten nicht als elektrische Signale (wie viele andere Kabel), sondern in Form von Licht. Das geht viel schneller und ist viel weniger störanfällig als Kupferkabel. Dennoch sind die meisten Gebäude in Deutschland heute noch mit Kupfer ans Internet angeschlossen.

Wahrscheinlich sagt Dir DSL etwas (manchmal auch ADSL genannt). Bei DSL bestehen weite Teile der Kabelstrecke bis zu Deinem Haus aus Kupfer. Das Internettempo ist bei dieser Methode auf 16 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) begrenzt. Für Familien oder wenn Du das Internet beruflich nutzt, ist das schon sehr knapp bemessen.

Für die Weiterentwicklung VDSL hat man leistungsstarke Glasfaserkabel bis zum Verteilerkasten gelegt (Fibre To The Curb, FTTC). Das sind die grauen Kästen am Straßenrand (Curb = Bordstein), hast Du bestimmt schon mal gesehen. Nur noch die letzten Meter vom Verteilerkasten zum Haus sind Kupferkabel. Damit lässt sich das Tempo auf bis zu 50 Mbit/s steigern.

Wenn wir hier von einem Glasfaseranschluss reden, meinen wir: Das Glasfaserkabel führt bis zum Gebäude (Fibre To The Building, FTTB) oder bis in Deine Wohnung (Fibre To The Home, FTTH). Auch die sogenannte letzte Meile besteht dann aus Glasfaser. Dafür müssen Bauarbeiter und Techniker bei Dir anrücken und das neue Kabel verlegen.

Mit reiner Glasfaser ist Dein Internet dann bei vielen Anbietern bis zu 1.000 Mbit/s schnell. Technisch ist sogar noch viel mehr möglich, doch derzeit sehen viele Glasfasernetzbetreiber noch keinen Grund, warum jemand eine höhere Geschwindigkeit benötigen könnte. Das kann sich in Zukunft aber ändern.

Empfehlung: Wie schnell muss mein Internet 2021 sein?

SinglePaar Familie/WG
Surfen, E-Mails10 Mbit/s16 Mbit/s25 Mbit/s
Filme/Serien in Ultra-HD (4K)25 Mbit/s50 Mbit/s100 Mbit/s
Gaming (Blockbuster-Titel mit großen Updates)50 Mbit/s100 Mbit/s200 Mbit/s
Homeoffice mit großen Datenmengen (z. B. Grafiker, Filmemacher)200 Mbit/s400 Mbit/s500 Mbit/s
Quelle: Empfehlung Forbes Advisor Deutschland. Februar 2021.

Glasfaser im Vergleich zu Vectoring und Kabelanschluss

Experten sind sich weitgehend einig: Dem Glasfasernetz gehört die Zukunft. Warum ist in Deutschland dann erst jeder zwanzigste Internetanschluss mit Glasfaser ausgestattet? Zum Vergleich: In Polen ist es jeder vierte und in Spanien sogar bereits zwei Drittel.

Das liegt unter anderem daran, dass vor allem die Deutsche Telekom lange Zeit damit beschäftigt war, noch das Letzte an Leistung aus den alten Kupferleitungen rauszuholen – anstatt sich auf den Glasfaserausbau zu konzentrieren. Dafür mussten die Verteilerkästen mit der sogenannten Vectoring-Technik nachgerüstet werden (und später mit Super-Vectoring).

Das sind spezielle Verfahren, um die Störungen in den Kupferleitungen zu reduzieren. Damit sind heute für viele Millionen Haushalte 100 bis 250 Mbit/s möglich. Derzeit eine ordentliche Geschwindigkeit – aber in ein paar Jahren wahrscheinlich schon wieder veraltet. Mittlerweile hält auch die Telekom Glasfaser für die Netztechnik der Zukunft.

Vergleich der Anschlussarten am Beispiel Telekom

Glasfaser-Internet: Für wen sich das lohnt (1)

Außerdem muss man sagen, dass es in Deutschland ein glasfaserähnliches Netz gibt, an das weitere rund 17 Millionen Haushalte angeschlossen sind: über TV-Kabelanschlüsse. Ursprünglich war das Kabelnetz für den Fernseh- und Radioempfang vorgesehen, es ist aber über die Jahre für Telefon und Internet aufgerüstet worden. Das Kabelfernsehnetz liegt vor allem in Ballungsräumen, auf dem Land gibt es kaum TV-Kabelanschlüsse.

Beim Kabel-Internet führt die Glasfaser bis zum Gebäude, innerhalb geht es mit sogenannten Koaxialkabeln weiter. Diese sind schneller als Kupferkabel, aber nicht so schnell wie Glasfaser. Ein solches Netz nennt man auch Hybrid Fibre Coax (HFC). Es ermöglicht ein Internettempo von derzeit bis zu 1.000 Mbit/s – im Idealfall also genauso schnell wie reine Glasfaseranschlüsse.

Allerdings nur im Download, also beim Surfen im Internet, Streamen von Videos oder Herunterladen von Dateien. Sollen größere Dateien verschickt werden – was vor allem für berufliche Anwendungen wichtig sein kann – ist auch das Upload-Tempo relevant. Und dabei ist Glasfaser bereits heute bis zu 10-mal schneller als TV-Kabel.

Arten von Internetanschlüssen im Überblick

Max. Download-Tempo (Mbit/s)Max. Upload-Tempo (Mbit/s)Technik
DSL / ADSL161Kupferkabel
VDSL5010Glasfaser bis zum Verteilerkasten, danach Kupferkabel
VDSL mit Vectoring10040Glasfaser bis zum aufgerüsteten Verteilerkasten, danach Kupferkabel
VDSL mit Super-Vectoring25050Glasfaser bis zum aufgerüsteten Verteilerkasten, danach Kupferkabel
TV-Kabelanschluss1.00050Glasfaser bis zum Haus, Koaxialkabel im Gebäude
Glasfaser (FTTH)oft bis 1.000, potenziell mehroft bis 500, potenziell mehrGlasfaser bis in jede Wohnung
Quelle: Recherche Forbes Advisor Deutschland. Februar 2021.

Welche Anbieter kann ich an meinem Wohnort nutzen?

Der größte Glasfasernetzbetreiber in Deutschland ist die Deutsche Telekom mit über 500.000 Kilometern Glasfasernetz. Weitere größere Anbieter sind Deutsche Glasfaser, O2, EWE, Vodafone und 1&1. Je nachdem, wo Du wohnst, könnte es aber auch sein, dass ein kleinerer regionaler Anbieter deinen Wohnort mit Glasfaser erschlossen hat oder erschließen will. Ein paar Beispiele:

  • Nordrhein-Westfalen: In Köln und Aachen ist Net-Cologne bzw. Net-Aachen der größte Konkurrent zur Telekom. Bereits seit 2006 arbeitet das Unternehmen am Glasfaserausbau in den beiden Städten. In und um Bielefeld bietet Bitel Glasfaserleitungen an.
  • Bayern: In weiten Teilen Bayerns ist das Glasfasernetz von M-Net vertreten. Bereits seit 1996 treibt das Unternehmen den Ausbau voran. Hinter M-Net stehen verschiedene Unternehmen aus der Energiebranche, unter anderem die Stadtwerke München, Erlangen und Augsburg.
  • Berlin und Brandenburg: In der Bundeshauptstadt ist DNS:NET mit einem eigenen Glasfasernetz vertreten. Auch in Brandenburg baut das Unternehmen sein Netz aus. Laut eigener Aussage fokussiert sich das Unternehmen dabei besonders auf Regionen, in denen bisher kein schnelles Internet vorhanden ist.
  • Niedersachsen: Im Großraum Hannover stellt das Unternehmen HTP Glasfaser-Internet zur Verfügung. Besonders in Neubau- und Gewerbegebieten ist das Netz bereits relativ weit ausgebaut.
  • Hessen: In Hessen ist Netcom Kassel der Hauptkonkurrent der Deutschen Telekom in Sachen Glasfaser. In Marburg betreiben auch die Stadtwerke ein Glasfasernetz.
  • Saarland: Die saarländischen Stadtwerke bieten in Kooperation mit Energis und VSE NET Glasfaser-Internet in über 50 Gemeinden an.
  • Sachsen: Das Energieunternehmen Eins Energie tritt in Sachsen auch als Provider für Glasfaser auf. Sowohl im Großraum Chemnitz als auch in einigen ländlichen Gebieten kannst Du über das Unternehmen Glasfaser beziehen.

Preise und Geschwindigkeiten können sich bei den verschiedenen Anbietern unterscheiden. Außerdem haben die Anbieter jeweils mehrere Tarife im Programm. Achte auf die angebotenen Download- und Upload-Geschwindigkeiten und den endgültigen monatlichen Preis, der nach den oft vergünstigten ersten Monaten gilt.

Du kannst Deine genaue Adresse auch auf einem Vergleichsportal wie Check24 eingeben. Dann zeigt es dir an, ob und welcher Glasfaseranbieter an Deinem Ort zur Verfügung steht.

Für wen rechnet sich Glasfaser-Internet?

Die Entscheidung für oder gegen einen Glasfaseranschluss solltest Du sobald wie möglich treffen, wenn es mit den Planungen zum Glasfaserausbau in Deinem Ort losgeht. Denn wenn Du Dich von Anfang an für Glasfaser entscheidest, entfallen oft die einmaligen Anschlusskosten. Diese können später mehrere Hundert oder gar Tausend Euro ausmachen. Wie bei anderen Internettarifen auch, zahlst Du außerdem einen laufenden monatlichen Preis: oft 45 bis 100 Euro, je nach Tempo.

Bei der Entscheidung spielen aber nicht nur die unmittelbaren Kosten eine Rolle, sondern auch die Frage nach dem Wert der Immobilie. Daher haben wir diesen Abschnitt aufgeteilt: für Mieter und Hauseigentümer bzw. Vermieter.

Hauseigentümer. In vielen Fällen lohnt sich der Glasfaseranschluss allein deshalb, weil er Deine Immobilie attraktiver und zukunftsfähig macht. Wohnst Du selbst in Deinem Haus, kannst Du den Anschluss einfach beauftragen.

Vermieter. Ist Deine Immobilie vermietet, wird es komplizierter. Denn der Mieter muss den Anschluss beauftragen – und er hat auch das Recht, bei seinem langsamen und womöglich günstigeren Internetanbieter zu bleiben. Teile Deinem Mieter frühzeitig mit, dass Du einen Glasfaseranschluss genehmigst. Überleg Dir, ob Du nicht bereit wärst, für beispielsweise zwei oder drei Jahre die Mehrkosten zwischen dem alten und neuen Internetvertrag für Deinen Mieter zu übernehmen.

Mieter. Als Mieter solltest Du genau hinschauen, ob sich Glasfaser für Dich lohnt. Ein Tarifbeispiel (ländlich geprägter Ort in Nordrhein-Westfalen): O2 bietet hier VDSL mit 50 Mbit/s im Download für monatlich knapp 30 Euro an. Der günstigste Glasfasertarif mit 300 Mbit/s schlägt mit monatlich knapp 45 Euro zu Buche (Deutsche Glasfaser).

Die sechsfache Leistung beim Download-Tempo kostet in dem Beispiel also nur 50% mehr (und nicht 600%). Beim Upload-Tempo gibt es sogar die 15-fache Leistung: 150 statt 10 Mbit/s. Das Preis-Leistungs-Verhältnis spricht in diesem Beispiel also eher für die Glasfaser.

Du solltest Dir aber überlegen, ob Du so viel Tempo überhaupt brauchst. Wenn Du alleine lebst und das Internet nicht beruflich nutzt, reicht Dir wahrscheinlich auch ein DSL-Vertrag. Seid ihr mehrere Personen im Haushalt und nimmt das Homeoffice zu, lohnt es sich schon eher umzusteigen. Auch wenn der Vermieter die Kosten (mit)trägt, ist Glasfaser eine Überlegung wert.

Preisbeispiele für Glasfaseranschlüsse (monatlich, gerundet)

Download-Tempo
300 Mbit/s400 Mbit/s500 Mbit/s600 Mbit/s1.000 Mbit/s
1&170 €
Deutsche Glasfaser45 €50 €80 €90 €
M-Net45 €60 €100 €
Net-Cologne40 €77 €
Vodafone40 €75 €
Quelle: Anbieterangaben. Februar 2021.

Was Du aus dem Artikel mitnehmen kannst

Internet über Glasfaser ist die Zukunft:Glasfaserkabel sind deutlich schneller als Kupferkabel, mit denen die meisten Halthalte in Deutschland noch ans Internet angebunden sind. Solche VDSL-Anschlüsse sind meist höchstens 50 Mbit/s schnell. Mit allerlei technischen Tricks lassen sich bis zu 250 Mbit/s herauskitzeln. Ein Glasfaseranschluss (FTTH) kann hingegen 1.000 Mbit/s und mehr erreichen.

Wenn in Deiner Region Glasfaser neu verlegt wird, solltest Du Dir zeitnah überlegen, ob Du Deinen Haushalt anschließen lässt. Denn später wird oft eine hohe Anschlussgebühr fällig. Für Eigentümer lohnt sich das fast immer, weil Glasfaser den Wert der Immobilie steigert. Mieter sollten sich hingegen genau überlegen, ob sie das höhere Internettempo wirklich brauchen. Vielleicht ist der Vermieter bereit, den Aufpreis für eine gewisse Zeit zu übernehmen.

Kannst Du über einen TV-Kabelanschluss ins Internet gehen, braucht Dich das Glasfaser-Thema weniger zu interessieren. Denn Du hast bereits so etwas ähnliches wie einen Glasfaseranschluss. An vielen Orten kannst Du damit bis zu 1.000 Mbit/s buchen – und das meist günstiger als bei reinen Glasfasertarifen. Wermutstropfen: Das Upload-Tempo ist viel niedriger als bei Glasfaser.

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Author: Edwin Metz

Last Updated: 09/09/2022

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